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Geister.
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Geister.
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Mex
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Beitrag Geister. Antworten mit Zitat
Ich bin mir sicher, dass euere Ehefrauen an Geister glauben, sofern sie Thailaenderinen sind, oder etwa nicht?

Animismus in Thailand

Animismus oder Geisterglaube ist in Thailand seit den vor-buddhistischen Zeiten bis heute weit verbreitet. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Geistern zu berücksichtigen. Damit ihre Zahl nicht noch weiter steigt, müssen alle Verstorbenen eingeäschert und nicht begraben werden. Beim Einäschern verläßt die Seele den Körper und wartet auf ihre nächste Reinkarnation. Bei der Beerdigung dagegen bleibt die Seele als Geist auf der Erde und wird danach trachten,  jedermann zu schädigen.


Hier geht es weiter.

http://www.clickthai.de/Kultur/Mythen/Geister/geister.html

Viel Spass beim Lesen.

Mex.
05.04.2009 16:10
Werner
verstorben


Anmeldungsdatum: 03.09.2008
Beiträge: 147
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Wohnort: Nakhon Ratchasima

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Beitrag (Kein Titel) Antworten mit Zitat
Werner hat Folgendes geschrieben:
Jack hat mich neulich mal nach meinen Geistergeschichten gefragt. Ob er wohl ein Fan dieser Überbleibsel aus der animistischen Zeit ist?


Ich hab also mal in meinem Archiv gekramt und etwas gefunden, was den vorstehenden Beitrag von Mex etwas untermauert.


Geister im Isaan I

Isaan, da ist es nicht nur in der Nacht dunkel, da ist auchnoch eine gehörige Portion Dunkelheit in der Seele der Menschen und die,verflixt noch mal, kann man beim besten Willen nicht vertreiben.

Oh Farang im Isaan, der du hier hoffentlich dein Glück gefunden hast, lassedich nicht täuschen von dem Liebreiz deiner Liebsten. Wenn du denkst, sie istganz und gar dein, dann irrst du. Sie hat immer noch den einen oder den anderenneben dir, bei dem ihre Gedanken öfters und mehr verweilen, als dir lieb seinkann. Nicht dich, ihn fragt sie um Rat, fragt ihn sogar, wenn es um dich gehtund du merkst es nicht, ahnst es nicht und sollst es auch nicht wissen.

Gar oft hat sie sogar mehrere, bei denen ihre Gedanken weilen. Einige versorgtsie sogar mit Speis und Trank. Andere erhalten Blumen, manchmal sogar kleineBüffel, Rinder, ein Schweinchen oder einen hübschen Hasen. Sogar kleine Möbelschenkt sie ihnen und desinfiziert ihre Wohnungen mit Räucherstäbchen.

Na, geht ein Licht auf, was und wen ich meine?

Manche dieser Nebenbuhler, die heimlich in ihrem Kopf herum spuken, fürchtetensie sogar, haben Angst vor ihnen, so wie meine Frau.

Sitzen wir doch neulich an einem schönen lauen Abend auf der Terrasse, trinkenein Gläschen, sprechen über die kleinen Alltagsprobleme, machen hübscheZukunftspläne und schauen verträumt in den dunklen Himmel. Irgendwann saust inder Ferne eine glänzende Sternschnuppe herunter und verschwindet hinter dem Horizont.Als der leuchtende Schweif erloschen ist, schaue ich meine Liebste an underschrecke. Da sitzt sie doch tatsächlich mit erstarrtem Gesicht und hältängstlich die Hände vor dem Mund. Ihre Augen schauen immer noch gebannt auf dieStelle, wo die Sternschnuppe verschwunden ist.

Ich greife ihren Arm, schüttele sie etwas und langsam erwacht sie wie aus einertiefen Trance. Was ist, was ist, frag ich sie besorgt. Sie reagiert nicht. Wasist, frage ich sie noch einmal und dann antwortet sie mir ganz leise flüsternd„Phii“ und hält, mir Schweigen gebietend, ihren erhobenen Zeigefinder vor denMund.

Ich dringe trotzdem weiter in sie und will wissen, was die Sternschnuppe miteinem Phii zu tun hat, der sie so in Angst und Schrecken versetzt. Widerwillig,ja fast böse, erklärt sie mir dann, dass da soeben die Seele eines Verstorbenenwieder auf die Erde zurückgekommen ist, in den Bauch einer Frau fährt und alskleiner Mensch wieder zur Welt kommt. Jetzt aber, wo wir beide darübergesprochen haben, wurde die Seele abgelenkt und jetzt kann es sogar sein, dasssie nicht als Mensch, sondern als Hund wieder auf die Welt kommt.

Von dieser Sache hab ich ja schon gehört und sogar etwas darüber geschrieben.Doch in dieser Situation, so direkt und unverhofft damit konfrontiert zu sein,das hat mir doch die Augen geöffnet und gezeigt, wie tief der Geisterglaube inden Köpfen der Menschen des Isaan verwurzelt ist.

Nicht genug damit. Eine halbe Stunde später ertönt vom nachtdunklen Himmel überunseren Köpfen ein helles Zirpen. Erst leise aus der Entfernung, dann kommt esnäher und wird vernehmlicher. Wieder erstarrt meine Frau wie zu einerSalzsäule. Ihre Augen sind weit geöffnet und schauen gebannt zum dunklenHimmel. Eine Fledermaus, denke ich. Als sie sich entfernt und das Zirpen leiserwird und dann nicht mehr hörbar ist, springt sie auf, wirft dabei ihr Glas umund verschwindet wortlos wie der Blitz im schützenden Haus.

Später, viel später überschüttet sie mich dann mit bitteren Vorwürfen. Wenn ichnicht nach dem Niedergehen der Sternschnuppe gesprochen hätte, nicht alleshätte wissen wollen, dann sei der Geist bestimmt nicht über unser Haus geflogen.Jetzt aber könnte ein Unglück kommen und dann sei ich schuld daran.

Lieber Leser. Diese Geschichte ist nicht aus den Fingern gesogen. Geister allerArt spuken in den Köpfen unserer Frauen herum. Mit ihnen teilen sie ihreGedanken, ihnen opfern sie, fragen sie um Rat und verehren sie.

Warum ich diese Geschichte hier ins Forum setze? Nun, was uns Farang als ganzbanal und natürlich erscheint, ist für unsere Frauen etwas geheimnisvolles, unddoch eine Selbstverständlichkeit die ihr tägliches Leben maßgeblich mitbestimmt. Wir leben hier im Isaan nicht nur mit unserer Frau, wir müssen auchmit ihren Geistern leben und sie akzeptieren. Wehe wenn wir das nicht tun, wirhaben dann verdammt schlechte Karten.

Wenn man es etwas geschickt anfängt, dann kann man aber auch hin und wiedereinen Phii, also einen Geist, in seine Dienste stellen. Bei dem kindlichenGemüt der Thai, vorausgesetzt man besitzt ihr Vertrauen, ist das manchmal garnicht so schwer.

Beispielsweise hat sich in unserem Schlafkämmerchen folgendes zugetragen. ZuSilvester hat meine Frau bei einer Verlosung eine wunderhübsch bunte, also fürmich absolut hässliche, Schlafdecke gewonnen. Nicht nur schön bunt ist sie, dersynthetische Stoff glänzt auch wie ein poliertes Osterei. Wahrscheinlich istder verwendete Stoff luftundurchlässig und hält deshalb die Körperwärme zurück.Sie isoliert.

Während der Monate Januar und Februar, als es doch relativ kühl gewesen ist,war das für meine Liebste eine willkommene Sache und mit Freuden hat sie sichjeden Abend in das bunte Ding gewickelt. Richtig verliebt ist sie in die Deckeund will sie auch jetzt, wo es um einiges wärmer geworden ist, nicht missen.Die Folge ist, sie schwitzt sich nachts kaputt und schläft unruhig, weil sichihr Körper aufheizt. Unsere Air niedriger stellen hat nur gebracht, dass ichfriere, sie aber nach wie vor von ihrer neuen Decke gut isoliert wird. Morgensist sie unausgeschlafen, kaputt und leicht reizbar, kurzum, unausstehlich.

Gestern habe ich sie darüber aufgeklärt, dass ihr schlechter Schlaf daraufzurück zu führen ist, dass in ihrer Schlafdecke ein Phii ist der sie ärgertweil er sich langweilt. Hatte sie nie noch nie gehört, so was, wo auch?Zweifelnd sah sie mich an, lies sich aber doch dazu überreden, ein Versuch zumachen.

Als ich allerdings eine Zudecke aus den Schrank kramte, die mindestens drei malso dick, wie ihre Synthetik ist, winkt sie ab und es bedarf all meineÜberredungskunst, sie doch dazu zu bewegen es zumindest einmal zu versuchen.

Was soll ich sagen, der durchschlagende Erfolg übertrifft all meineErwartungen. Da jetzt ihre Körperwärme nicht gestaut wird, kommt sie währenddes Schlafens auch nicht mehr ins Schwitzen. Da ich die Air höher gestellt habe,friere ich in dieser Nacht seit langem nicht mehr.

Jetzt wandert die so schön wärmende Decke mitsamt dem in ihm hausenden Geisterst in die Waschmaschine, dann in die hinterste Ecke des Kleiderschrankes.Nein, mit aufklärender Sachlichkeit hätte ich sie nicht überzeugen können, dochmit dem Schabernack treibenden Geist, da ging es.

Jetzt halte ich jede Wette, dass noch mancher Farang aus dem Isaan hier imForum über ähnliche Geistererlebnisse berichten kann, ob die sich aber trauen?


Nachtrag

Vorhin habe ich mit meinen Freund Helmut telefoniert und mit ihm auch über dieGeistererlebnisse mit meiner Frau gesprochen. Der hatte auch gleich eine schöneGeschichte zur Hand, die ich hier noch unbedingt loswerden will.

Helmut wohnt schon länger als 10 Jahre im Reisland, wie ich die ländlichenGebiete des Isaan gerne nenne. Seine Schwiegereltern sind sehr gläubigeMenschen und wenn im Wat irgendetwas gefeiert wird, werfen sie sich in weißeKleidung und verschwinden bereits am Vorabend mit einigen Vorräten, damit siein der Frühe schon vor Ort sind, wenn die Mönche noch in der Dunkelheitaufstehen und mit irgendwelchen Zeremonien beginnen.

Die Schwiegereltern sind aber nicht alleine da. Es kommen auch noch andereLeute, damit sie am nächsten Tag nichts versäumen. Abends wird dann nicht nurgegessen, sondern auch erzählt. So haben dann letztens vier Frauen, darunterauch Helmuts Schwiegermutter, etwas abseits gesessen, gegessen, getrunken undgeschwatzt.

Irgendwann überkam einer Frau das Bedürfnis die Toilette aufzusuchen. Sie ergriffihre Taschenlampe und entfernte sich in Richtung des stillen Örtchens. Nachwenigen Minuten erschien sie wieder. Kreidebleich und aufgeregt brachte sieihre Kleidung wieder in Ordnung und brabbelte immer wieder von einem Geist, dersich neben dem Toilettenhäuschen aufgehalten, und ihr zugeschaut hat, wie sieihre Notdurft verrichtete.

Grässlich gelacht hat er, mit tiefer Stimme hat er sie tiefaus der Brust kommend, schnorchelnd ausgelacht, berichtet sie ganz entsetzt.Fürchterliche Angst hat sie darauf hin ergriffen und noch nicht einmal richtigwaschen und anziehen hat sie sich können, so schnell hat sie den unheimlichenOrt verlassen.

Nein, sie ist nicht in der Lage dieses grässliche Lachen wieder zu geben. DieFrauen sind allesamt entsetzt und lauschen mit offenem Mund. Ein Geist im Wat?Ein richtiger Geist? Und er sieht den Frauen auf der Toilette zu? Das ist dochwohl nicht möglich, ein Hirngespenst einer überdrehten alten Frau, oder?

Die alte Dame bleibt dabei und ist froh, wieder in sicherer Gesellschaft zusein. Wie es dann halt so kommen muss. Helmuts Schwiegermutter hat etwas späterebenfalls den Drang, die Toilette aufzusuchen. Aufs Klostergelände will siesich nicht nieder lassen, denn wer das Wat verunreinigt, wenn auch heimlich inder Dunkelheit, der begeht fast ein Verbrechen, welches auf jeden Fall Unglücknach sich zieht.

Verzagt und schweren Ganges tappt also Helmuts Schwiegermama durch dieDunkelheit zum Toilettenhäuschen. Gebannt und ängstlich schauen die zurückgebliebenen Frauen hinter ihr her und warten, was ihrer Freundin passiert. Dieaber kommt nach wenigen Minuten fröhlich lächelnd zurück und setzt sich in denKreis der immer noch ängstlich schauenden Genossinnen.

Was ist passiert, was ist mit dem Geist und hat er dir auch zugeschaut undgelacht? Ich habe ihn verjagt, erfolgt die Antwort, worauf sich ein erneutesGeschnatter erhebt. Ja, ich habe ihn verjagt, wiederholt die mutige Frau undgenießt die Situation. Wie verjagt, womit? Das will man jetzt wissen. Und hast duihn auch gesehen und wie sieht er aus? So geht die neugierige Fragerei weiter.

Helmuts Schwiegermutter, eine kleine doch sehr resolute ältere Frau die ich gutkenne, lehnt ihren Rücken an einen Baum und bringt des Rätsels Lösung. Nichtsist mit einem Geist, gar nichts. Es war doch nur vor der Toilette derWasserhahn, der so komische Geräusche von sich gegeben hat. Irgendjemand hatihn nicht richtig zugedreht und jetzt in der Nacht ist die Wasserversorgungabgestellt worden. Da ist das noch in der Leitung stehende Wasser irgendwohinzurück gelaufen und deshalb kamen die blubbernden Geräusche von irgendwelchenLuftblasen, die in der Leitung aufgestiegen sind. Ich hab den Wasserhahn einfachzugedreht, jetzt ist Ruhe.

Warum ich diese banale Geschichte erzähle? Wer die Menschen im Isaan etwaskennt, kann sich unschwer vorstellen, dass der Wat, mit seinem lachenden Geistauf der Toilette, umgehend in aller Leute Mund gekommen währe. Die Geschichtehätte an Umfang und Grauslichkeit zugenommen und der Wat würde in Verrufgekommen sein.

So aber ist kein neuer Geist im Isaan aufgetaucht und die Menschen in derUmgebung haben auf lange Zeit etwas worüber sie lachen können.

Werner

13.06.2009 09:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Jack



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Beitrag freut mich Antworten mit Zitat
obwohl ich die Geschichten bereits kannte habe ich sie mit Freuden nochmals gelesen
Immer wieder erstaunlich, welche Auswirkungen "Geister" auf das Leben haben, nicht nur in Thailand

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Das Leben leben und das Jetzt erleben ist manchmal  etwas wunderbares und man sollte es so oft und so lange wie möglich geniessen"
14.06.2009 10:19 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Werner
verstorben


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Beitrag Nachtrag von Werner Antworten mit Zitat
Mein Beitrag und weitere Berichte über Geister, standen bisher in dem Forum „Das Thai Forum“, welches jetzt nicht mehr zu erreichen ist. Mancher wird diese Abhandlung deshalb schon kennen.

Doch weil sich immer wieder neue Leser für die Lebensumstände und die religiösen Überlieferungen im Isaan interessieren, hoffe ich, dass diese Berichte im Guru einen neuen Platz finden können.

Sicher werden einige Member, die mit ihrer thailändischen Frau im Isaan leben, ähnliche Erfahrungen, wie ich, gemacht haben. Das kann zwar manchmal amüsant sein. Darüber auch zu berichten, läßt tief in die Seele der einheimischen Bevölkerung blicken und dient sicher dazu, die Denk- und Handlungsweise der Menschen, die einem nahe stehen, im täglichen Zusammenleben verständnisvoller einordnen zu können.


Werner
14.06.2009 11:00 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Retepom
verstorben


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Beitrag (Kein Titel) Antworten mit Zitat
ja, Werner, vielen Dank für diese beeindruckenden Geschichten. Jack und Jürg haben ja auch schon ein paar Beiträge ähnlichem Themas eingebracht. Ich werde das mal auf der Homepage zusammenstellen. Hat Jemand dazu eine Idee, so einen roten faden?

Wir wohnen ja nicht im Isaan, jedoch fast jeder hier kommt daher. Nun, ich kann auch ne kleine Storry zum Thema beitragen:

Wir haben hinter unserem Haus noch eine kleine Küche (Stinkfischküche) eine kleine Waschküche, einen Abstellraum und einen Trockenplatz für die Wäsche. das alles ist quasie ein kleines Haus für sich. Seit die Großeltern meiner Frau gestorben sind, traut sie sich bei Dunkelkeit nicht mehr in unser "small house". Dabei liegt dies direkt hinter unserem Haus und wir haben auch ausreichend Beleuchtung.

Begründung: Die "GuGuGus" gehen hier ein und aus. (Im Nachbarhaus, gleich angrenzend an unser Grundstück steht das Haus der verstorbenen Großeltern) Nun ja, nach 18:00 Uhr ist es ja meist bald dunkel und nun muß ich immer mitgehen, wenn sie etwas im kleinen Haus zu tun oder was vergessen hat. Der Mann geht dabei immer hinter der Frau. Die "GuGuGus" kommen also von hinten. Na ja, ich mache das gerne und sie ist glücklich, dass ich ihren Glauben akzeptiere. Sie hat ja ein paar Jahre in Deutschland gelebt und weiß es eigentlich im Innersten besser. Aber sie kann nicht aus ihrer Haut.

Wie gesagt, auch ein guter Weg, das Vertrauen zu fördern und die Partnerschaft zu festigen. Ich habe dies Verhalten immer akzeptiert und mich nie über solche Dinge lustig gemacht oder versucht, sie ihr auszureden.

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Grüße aus Jomtien
Retepom
14.06.2009 17:51 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Skype-Name
dragon
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Retepom hat Folgendes geschrieben:


Wie gesagt, auch ein guter Weg, das Vertrauen zu fördern und die Partnerschaft zu festigen. Ich habe dies Verhalten immer akzeptiert und mich nie über solche Dinge lustig gemacht oder versucht, sie ihr auszureden.


Das solltest du auch nie machen, ich denke mittlerweile, weil sie daran glauben, haben sie auch einen ganz anderen Zugang zu der Geisterwelt, der uns "aufgeklärten" Farangs abgeht! Eine Thai die hier in meiner Wohnung übernachtet hat, berichtete mir von einem Geist, der ihr einen Kaffee angeboten hat!

Sie sprach kein Deutsch, wiederholte aber die Worte "Möchten Sie einen Kaffee"!

Ich fragte Sie, wie der Mann ausgesehen hat und sie beschrieb mir sehr genau den Vorbezitzer meiner Wohnung! Den hat sie aber nie gekannt, da der schon vor 5 Jahren gestorben ist!

Alles nur Blödsinn? Manchmal zweifel ich schon daran!
15.06.2009 04:16
Somprit
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... ich muss sagen, recht interessante Schilderungen.... ... könnte aber auch gleich "oh mein Gott", besser wäre sicher "werter Buddha" anhängen und als des "Teufels Advokat" hier etwas von meinen ureigensten Überlegungen zu diesem animistischen Kram beitragen...
Lasse es aber vorerst mal bleiben, erfreue mich der weiteren kommenden Dinge ... denn kommt Zeit um Rat, kommt Entschluss
15.06.2009 08:09
Retepom
verstorben


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Beitrag (Kein Titel) Antworten mit Zitat
Zitat:
dragon:

Alles nur Blödsinn? Manchmal zweifel ich schon daran!


Eine, wie ich finde, sehr gute Frage, erinnert sie doch an die zweifel, die ich schon oft in meinem Leben gehört habe: "Gibt es Zufälle oder werden wir doch irgendwie gesteuert"?  Ja, lasst mal hören, was Ihr so darüber denkt.

Zitat:
Somprit:

und als des "Teufels Advokat" hier etwas von meinen ureigensten Überlegungen zu diesem animistischen Kram beitragen...


Na, das willst Du uns doch hoffentlich nicht vorenthalten. Hier könnten sich die verschiedensten "Geister" treffen. Ob man in diesem Thema jemals zu einem Konsens kommt? ich denke nicht.

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Grüße aus Jomtien
Retepom
15.06.2009 10:46 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Skype-Name
Werner
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Beitrag Geister im Isaan II Antworten mit Zitat
Die Geisterhäuschen


Allenthalben glaubt der Besucher Thailands, dass der größteTeil der Bevölkerung treue Anhänger des Buddhismus sind. Betrachtet man den klassischen Buddhismus in Thailand und kennt die tiefe Religiosität der gläubigen Bevölkerung, dann fragt man sich zwangsläufig, wie denn der scheinbare Widerspruch zu dem allseits erkennbaren Geisterglauben zu erklären ist.

Jedem Besucher Thailands fallen beispielsweise umgehend die Geisterhäuschen ins Auge, die nicht nur im Isaan in den Dörfern vor den Wohnhäusern, sondern auch in den Städten, sogar vor Industrieanlagen, Hotels und Bürogebäuden stehen. Ist in den Städten ebenerdig kein Platz auf dem Grundstück für sie vorhanden, dann werden sie sogar auf dem Flachdach oder auf einem Balkon des Gebäudes aufgestellt. Sie sehen hübsch aus, die kleinen Holz- oder Betonhäuschen, die den sakralen Gebäuden eines thailändischen Tempels ähneln und immer auf Pfählen in Kopfhöhe stehen. Für den unwissenden Besucher und Gast dieses Landes stehen die Geisterhäuschen und die Verehrung von Geistern im krassen Widerspruch zum Buddhismus, dessen weltweites Zentrum sich nach Ansicht der hiesigen Gläubigenin Thailand etabliert hat.

Gewinnt man einen etwas tieferen Einblick in die Welt des Geisterglaubens der Bevölkerung, sind die Geisterhäuschen sogar nur die Spitze eines Eisberges, der aus dem Wasser ragt. Diesen scheinbaren Widerspruch zum Buddhismus an dieser Stelle zu erläutern, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen und bleibt deshalb einem anderen Artikel vorbehalten. Um jedoch die Beweggründe der Thailänder solche Häuschen aufzustellen etwas verständlich zu machen, mag die folgende Erklärung dienen.

Wenn ein neues Gebäude gebaut werden soll, wird nach Glauben der Thai der dort im Boden wohnende Erdgeist Phii Chao Thi vertrieben. Um ihn nicht zu erzürnen,wird ihm deshalb eine neue Wohnstatt angeboten, die auf einer Säule steht. Oftwird auch noch ein zweites Häuschen gebaut. Das steht auf vier oder sechs etwas niedrigeren Säulen und ist die Wohnstatt für den Luftgeist Phii Chao Phum.Dieser Geist ist die Seele des verstorbenen Landbesitzers, die in der Luft über dem Grundstück wohnt und es bewacht.

Bevor ein Geisterhaus aufgestellt wird, muss von einem Geisterkundigen der geeignete Platz und der richtige Zeitpunkt gefunden werden. Auf keinen Fall darf der Schatten des zu errichtenden Gebäudes auf die Geisterhäuschen fallen. Oft richtet sich deshalb der Bauplan nach dem Standort der Geisterhäuser und gar nicht selten beginnt der Neubau erst, wenn das neue Domizil für den Erdgeist bereits eine geraume Zeit aufgestellt wurde. Gar nicht selten befindetsich in unmittelbarer Nähe, zumindest in Sichtweite das Eingangsportal zu dem neuen Gebäude. Deshalb können die Geister nicht nur für Glück sorgen, sondern auch unliebsame Besucher fern halten oder besänftigen.

Die kleine Plattform, auf der sich ein Geisterhaus befindet, steht immer in Augenhöhe. Steht es zu niedrig, könnten die Geister beleidigt sein und steht es zu hoch, können die Opfergaben nicht gut platziert werden. Oft stehen die Häuschen auf einem gefliesten Podest. Das unterstreicht den Respekt, den die Bewohner ihren Schutzgeistern beimessen. Auf der kleinen, mit einem Zäunchen versehenen Plattform, stehen kleine Figuren, wie menschliche Dienstboten, Büffelkarren, Elefanten, vielleicht auch ein kleines Tischchen und Bänke oder Stühle. Dem dort wohnenden Geist soll damit das Wohnen angenehm gemacht werden.Damit der Geist auch in der Nacht seine Wohnung findet, ist das Haus manchmal mit bunten Lichterketten versehen, oder an der Eingangsseite brennt während der Dunkelheit ein Kandelaber. Meistens an dem Tag in der Woche, an dem Buddha gedacht wird, wird den Geistern geopfert, um sie gnädig zu stimmen.

Dazu verwendet man extra Vasen, Schälchen und Gläser, die mit Blumen, Lebensmitteln und Getränken gefüllt, auf der Plattform abgestellt werden können. Manchmal werden den Geistern außer Alkohol sogar Betelnussbissen angeboten. Warum es immer 9 dieser Bissen, 9 Räucherstäbchen und neun Orangen usw. sein müssen, ist mir leider nicht bekannt. Weiter werden kleine Kerzen angezündet und die Räucher-Stäbchen glimmen. Oft steht bei dieser Zeremonie sogar ein Tischchen vor den Häuschen, damit auch umfangreichere Dinge geopfertwerden können. Die Räucherstäbchen werden erst angezündet, wenn alles aufgebaut ist. Dann wird zum Schluss ein Gebet gesprochen, ein Wunsch geäußert oder ein Dank für einen in Erfüllung gegangenen Wunsch ausgesprochen. Während dessen die Räucherkerzen abbrennen, können sich die Geister an dem Dargebotenen laben. Sind sie abgebrannt, sind die Geister zufrieden gestellt. Die Opfergaben können dann abgeräumt und an Bedürftige verschenkt werden.

Geisterhäuschen findet man nicht nur in der Nähe von Häusern, sondern manchmalauch an einem Feldrand. Dieses Häuschen ist die Wohnstatt des früheren Landbesitzers, dessen Geist über das Feld wacht, es schützt und für eine gute Ernte Sorge trägt. Man sieht diese Geisterhäuschen nicht oft und noch seltener hat man die Gelegenheit bei dessen Errichtung dabei zu sein. Ich hatte dieses Glück und kann aus eigener Anschauung berichten.

Bereits zwei Tage, vor dem von einem Geisterkundigen errechneten Aufstelldatumbeginnen  beginnen die Vorbereitungen. Pho, der Schamane der Familie hat frische Bananenblätter besorgt und schneidet sie in etwa 10 x 20 cm große Rechtecke, dann rollt er die Blätter zu einem schlanken Kegel und verziert die Spitze mit einer weißen Blütenknospe aus Kunststoff. Kritisch betrachtet er sein Werk und wenn es ihm gefällt, drückt er den unteren Teil des Kegels zusammen und das kleine Kunstwerk ist stabil. Dann greift er nach einem gelben Textilband, bindet es etwa mittig parallel zum flachen Ende des grünen Kegels, faltet es kunstvoll zu einer offenen Blüte und heftet diese mit dem Tacker fest. Das gleicher wiederholt er jetzt mit einem roten Band und wenn man es genau betrachtet sieht sein Werk wirklich aus, wie ein Blütenkelch. Diesen Vorgang wiederholt er unzählige male bis so an die Hundert dieser Bauteile zusammen sind. Jetzt heftet er 10 Segmente, eines nach dem anderen, hintereinander, so dass die Spitzen der Kegel strahlenförmig in einer Reihe von etwas 20 cm im Abstand von etwa 2 cm auseinander stehen, und die Endstücke der Kegel eine Reihe von etwa 7cm bilden.

Am Nachmittag wird alles mit weiteren Utensilien auf einen Pick-Up geladen und die Fahrt geht von Korat aus ins etwa 120 km entfernte Nong Sang Nuan. Unterwegs wird noch ein grünes Geisterhäuschen gekauft und aufgeladen. Bei dem Grundstücksbesitzer angekommen, wird alles ausgeladen und ausser dem Häuschen  in der oberen Etage des Hauses ausgebreitet. Pho sortiert alles und ein Gehilfe schneidet jetzt mit dem Messer aus einer der am Bau gebräuchlichen Isolierplatten zwei Ronden, die er in die Öffnung zweier goldfarbigen Schalen einpasst.

Pho hat inzwischen aus Bananenblättern zwei große Kegel von etwa 30 cm Höhe gewickelt, die jetzt mittig auf die Ronde angebracht werden. Dazu wird erst der Kegel ausgerichtet und mit vier Holzstäbchen fixiert. Dann wird der Kegel entfernt, die Holzstäbchen aus der Ronde gezogen, etwas schräg wiederein gesetzt und der Kegel darüber geschoben. Der sitzt jetzt schön fest. Dann werden vier der am Vortag hergestellten Blütensegmente unterseitig kreuzförmigdem Rand der Schale und der Ronde befestigt, so dass das ganze Gebilde in etwa einer Monstranz ähnelt. Allerdings ragen hier vier Strahlensegmente in dieLuft, wohingegen bei einer Monstranz in der Regel nur zwei Strahlensegmente vorhanden sind. Während dessen schneidet der Gehilfe des Schamanen weitere 4 x5 Ronden, von denen 4 Stück jeweils um 2 cm kleiner werden.

Danach wird Gold- und Silberfolie um den Rand der Ronden geklebt, so dass die mit ihren Zacken und eingeschnittenen Robben wie immer kleiner werdenden Königskronen aussehen. Am nächsten Morgen wird weiter gearbeitet. Pho stellt noch 5 weitere, etwas kleinere goldene Schalen her, die den schon fertiggestellten großen Schalen ähnlich sind. Alle Schalen werden jetzt mit gelben Blumen verziert und vor dem Hausaltar aufgestellt. In der Mitte der Kronen wird jetzt ein Loch ausgeschnitten und alles im Abstand von etwa 40 cm auf langen Bambusstangen befestigt. Diese Gebilde ähneln jetzt sehr den tibetanischen Gebetsfahnen, die an langen Stöcken flattern.

Der Schamane betrachtet das Werk, ist zufrieden und spricht vor dem Hausaltar einige Gebete. Dann wird, außer den 5 kleineren Schalen, alles auf die Ladefläche eines LKW geladen, die Eigentümer des Feldes und einige weitere Familienmitglieder suchen sich einen freien Platz auf der Pritsche und ab gehtes über holprige Feldwege etwa 4 km durch schier endlos scheinende Maniokfelder bis zu dem fraglichen Grundstück. Das Feld ist abgeerntet und schon wieder angepflanzt worden. Die aus dem Boden ragenden Setzlinge tragen schondie ersten Blättchen. Der Eigentümer hat jetzt, nach der Ernte, etwas Geld um sich seinen sicher schon lang gehegten Wunsch nach einem Geisterhäuschen auf seinem Acker erfüllenzu können.

Nach den aufwendigen Vorbereitungen, beginnt jetzt die eigentliche Zeremonie. Pho, der Schamane sucht am Rande des Feldes nach einem geeigneten Platz für dasGeisterhäuschen, murmelt eine Beschwörung und zwei Männer aus der Familie graben an der von ihm bezeichneten Stelle ein etwa 50 cm tiefes Loch. Mit einem in Wasser getauchten Blätterwedel segnet jetzt der Schamane den Standort und der Fuß des dreiteiligen Geisterhäuschens wird hineingestellt und mit etwas Erde standsicher gemacht. Mit einem Glas voll Wasser auf der oberen Plattformwird als Ersatz für eine Wasserwaage, der Fuß ausgerichtet. Dann wird eine etwa 60 x 60 cm große Platte mit einem umlaufenden Rand darauf gesetzt und zum guten Schluss in deren Mitte das eigentliche Geisterhaus gestellt.

Alsdann werden von dem Schamanen um das Geisterhäuschen kleine menschliche Figuren, ein Tisch mit Stühlen und kleine Tierfigürchen drapiert. Zum Schlusswird alles noch mit kleinen Blumenvasen, in denen sich die nicht wegzudenkenden gelben Blumen befinden und die Sache ist fertig. Zwischenzeitlich hat derGehilfe die vier Bambusstäbe mit den kronenähnlichen Verzierungen aufgestellt und Pho der Schamane ist zufrieden.

Die Familienmitglieder haben derweil zwei kleine Tische hintereinandergestellt, mit weißen Tüchern abgedeckt und allerlei Gebäck, Süßigkeiten, Obst, Reis, gebratene Fleischstückchen und die zwei schönen Kunstwerke daraufgestellt. Alles wird jetzt mit Blumen verziert, wobei nicht vergessen wird, zwei Wassergläser mit Erde zu füllen und am Rand des Tisches zu stellen.

Jetzt zündet der Schamane Räucherstäbchen an, hebt sie beschwörend in die Luftund murmelt weitere Gebete. Später stellen sich die Familienmitglieder hinter ihm, zünden ebenfalls Räucherstäbchen an und murmeln mit dem Schamanen, erst stehend, dann hockend, weitere Gebete. Der Rauch der Räucherstäbchen zieht derweil mit dem leichten Wind über das Geisterhäuschen hinweg und ich als fremder Europäer kann mich nur wundern, wie ernst die Thais diese Angelegenheit nehmen, die doch im Grunde gar nichts mit dem Buddhismus zu tun hat.

Plötzlich stehen alle auf, stecken die Räucherstäbchen in die bereit gestelltenGläser und begeben sich dann in den Schatten einiger in der Nähe stehender Bäume. Hier wird gescherzt und gelacht und ich erfahre, dass der Geist des verstorbenen Mannes, dem dieses Land einmal gehört hat und der sich hier ruhelos aufhält, jetzt eine schöne Wohnstatt hat, die er wohl auch annehmen und künftig von hier aus das Feld bewachen wird und die Schädlinge vertreiben und fü reine gute Ernte sorgen kann.

Nach 20 Minuten ist die Angelegenheit vorbei. Die Räucherstäbchen sind niedergebrannt, der Geist hat sich an all den schönen Sachen gelabt und hat Besitz von seinem neuen Domizil ergriffen. Die Speisen, Blumen und die anderen Utensilien werden abgeräumt und mit den Tischen wieder auf den LKW verladen. Pho der Schamane murmelt mit zum Wai erhobenen Händen noch einmal eine Beschwörung und dann geht es zurück.

Das Ganze hat in etwa zwei Stunden gedauert und steht in keinem Vergleich zu den sehr langwierigen und mühsamen Vorbereitungen. Der Schamane lebt von seiner Arbeit und hat all das sicher nicht unentgeltlich gemacht. Was der an und für sich wenig betuchte Auftraggeber ihm bezahlt hat, konnte ich leider nicht erfahren.

Wieder zurück, werden die Kunstwerke aus Bananenblättern vor den Hausaltargestellt. Der Schamane segnet fünf der Familienmitglieder mit den fünf anderen Schalen, indem er diese erst über den Kopf und dann über die linke Schulter hält und dabei Gebete und Beschwörungen murmelt. Die jetzt alle in Weiß gekleideten Familienmitglieder schauen und hören mit zum Wai erhobenen Händen andächtig zu und dann ist die Aufgabe des Schamanen Pho beendet.

Warum all dieser Aufwand? Weil die Menschen im Isaan den Brauch sich mit den Geistern gut zu stellen aus der vorbuddhistischen Zeit übernommen haben und weil sie daran glauben, fest glauben. Das lassen sie sich sogar viel Geld kosten, trotzdem sie im Grunde genommen doch so bettelarm sind.

Der Schamane Pho, dessen Frau vor einigen Wochen gestorben ist, geht in wenigen Tagen als Mönch in ein Wat. Er will den Rest seines Lebens dort bleiben, denn weil er keine Familie hat, meint er sich dort wohl zu fühlen. Niemand sieht ein Interessenkonflikt zwischen seiner jetzigen und zukünftigen Tätigkeit. Er ist ja weiterhin zum Wohle der Menschen da.

Ich glaube, es wird ihm im Wat schwer fallen. Pho trinkt gerne ein Bier, ist beinahe Kettenraucher und bei einem köstlichen Essen strahlt sein Gesicht. Im Wat ist das alles vorbei und ich bewundere und achte seine Entscheidung. Im Kloster wird er sich wahrscheinlich doch einleben. Er meint das wenigstens. Da ist er der verstorbenen Frau wieder etwas näher. Sie war auch Schamanin. Als sie noch lebte, haben sich beide die Arbeit geteilt und es hat ihnen Freude gemacht, die Menschen glücklich zu sehen. Jetzt bringt ihm das alles keine große Befriedigung mehr. Am zweiten Juni nimmt er im Kreis von Freunden Abschied von seinem bisherigen Leben. Schon am Vormittag werden seine Haare geschoren und er würde sich freuen, meint er, wenn ich ihn dann anschließend mit meinem Pick-Up in das etwa 30 km entfernte Wat bringen könnte.

Die Geisterhäuschen sind Relikte aus der so genannten animistischen Zeit, die stark von einem Geisterglauben geprägt war. Diesen Glauben kann man durchausals Spätform einer vor dieser Zeit praktizierten Naturreligion ansehen. Beim Animismus handelt es sich um den Glauben an die beseelte Natur. Bei der Naturreligion schriftloser Völker wird dagegen durch mündliche Überlieferungen meist die Ahnenverehrung oder Naturprinzipien, wie das Wesen der Gestirne, den Ablauf der Jahreszeiten, das Wetterverhalten oder Saat, Ernte und Fruchtbarkeit weitergegeben.

Da das Wesen des thailändischen Geisterglaubens sich auf den Zeitraum desjetzigen Daseins beschränkt, hatte der Buddhismus, der sich im wesentlichen mit dem jenseitigen Leben nach dem Tot befasst, es relativ leicht den Geisterglauben zu ergänzen und konnte deshalb relativ schnell seinen Siegeszug antreten. In Thailand trifft man deshalb heute im weitesten Sinne auf zwei Religionen, die sich gegenseitig ergänzen und von der Bevölkerung heute vielfach als eine Einheit angesehen werden.

Die Geisterhäuschen sind daher in den Augen der Bevölkerung keine Rudimente, die sich aus der klassischen animistischen Zeit erhalten haben, sondern sind religiöse Kultstätten, die fälschlicherweise der Staatsreligion, dem Buddhismus, zugeordnet und von dieser zumindest geduldet werden.

Als Anhänger einer Religion, wie dem Christentum, dessen Dogma die Anbetung von anderen Göttern strikt untersagt, ist man sehr erstaunt hier in Thailand soetwas wie zwei Religionen anzutreffen. Thailand ist ja immerhin dasjenige Land in Südostasien, in dem die Menschen glauben aufgeklärt, modern und fortschrittlich zu sein. In der Tat orientierte sich Thailand bereits vor 150 Jahren unter Rama V. an westeuropäische Länder und war bisher das Land in Südostasien, das den westlichen Ländern am meisten ähnelt. Was allerdings die Einstellung zur Religion betrifft, da sind die Thailänder sehr traditionsbewusst und bewahren die alten Überlieferungen.

Fragt man die Thailänder, welcher Religion sie angehören, dann bekennen sich 94% zum Buddhismus und niemand von ihnen wird sagen, er praktiziere zusätzlichnoch einen Geisterglauben, den dieser ist uneingeschränkt Teil der dualen Religion. Für einen Fremden ist das oft unverständlich. Doch da ja in Thailand vieles anders und merkwürdig ist, nimmt man diesen scheinbaren Widerspruch in der Religionsausübung verwundert aber doch gelassen hin, denkt sich vielleicht dabei, dass die Thailänder in dieser Richtung nicht alle Tassen im Schrank haben und lässt es dabei bewenden. Man versteht auch beim Anblick dieser Geisterhäuschen den Buddhismus nicht, dass der so etwas neben sich duldet und nicht verbietet. Außerdem sind die Geisterhäuschen mit den Opfergaben sehr schöne Fotomotive und man kann später Zuhause den Daheimgebliebenen mit besserwissender Überheblichkeit von diesem, uns unverständlichen, deshalb als schizophren angesehenem Verhalten der Thailänder erzählen.

So zu denken und zu handeln, ist von ausländischen Besuchern, aber auch von vielen hier lebenden Expats, ein Kardinalfehler, ein Zeichen dafür, dass sie sich über die in Thailand anzutreffende Symbiose von Buddhismus und Geisterglauben weder informiert, noch eigene Gedanken gemacht haben. Sie wissen vielleicht, dass der Buddhismus Staatsreligion ist, vielleicht auch noch, dass der Buddhismus gegenüber anderen Religionen sehr tolerant ist, sonst wissen sie wenig.

Für die Sonnenanbeter aus den kalten Ländern und den Flugbarbesuchern, die mit dem Flugzeug gekommen, jeden Abend eine Bar stürmen, sich voll laufen lassen und sich eine der vielen willigen Frauen angeln, ist das auch uninteressant. Doch, Gott sei Dank, es kommen immer mehr Touristen in dieses schöne Land, die Land, Leute und auch die Kultur kennen lernen und verstehen wollen.

Besonders für den Farang, der eine Partnerschaft mit einer Tochter diesesLandes eingegangen ist oder beabsichtigt, ist das Wissen über die Zusammenhänge zwischen Religion und Geisterglaube sehr wichtig, steht doch die Religion in der Rangfolge der Wertigkeit, gerade bei den Frauen aus dem Isaan, die die meisten heiratswilligen Frauen für einen Farang stellen, an erster Stelle.

Der Einfluss der Religion ist in Thailand nicht zu unterschätzen. Der hier miteiner Thaifrau liierte Farang, der sich darüber hinwegsetzt, hat schlechte Karten, denn seine Frau empfindet das auch als Missachtung ihrer Person und bezweifelt, dass ihr Mann sie jemals wirklich geliebt hat. Befasst sich ein Farang nicht mit der Religion seiner gläubigen Frau, dann bleibt er ihr zwangsläufig fremd, versteht ihre dies bezügliche Handlungen nicht und kann sich weder in ihre Lage versetzen, noch den Stellenwert erkennen, den die die Religion für seine Frau hat.

Wenn man beim Buddhismus von einer Religion spricht, dann ist das nachwestlichem Maßstab nicht richtig. Eine westliche Religion beinhaltet einen Gott den es zu verehren und anzubeten gilt und dessen Gebote befolgt werden sollen. Der Buddhismus dagegen ist eine Doktrin, die keinen Gott kennt. Er steht über jedes Gottverständnis und verbietet seinen Anhängern nicht, gleichzeitig einer anderen Religion anzugehören.

Nicht anders handeln die Thais. Der Buddhismus zeigt ihnen die Möglichkeit über den langen Weg der Reinkarnation das Nirwana zu erreichen (siehe auch Reinkarnation bei Wikipedia u.a.), wohingegen in der diesseitigen Welt die Geister regieren, die, wenn man sie nicht beachtet, einem das Leben schwer machen können. Es gibt demnach keinen Konflikt zwischen dem Geistserglauben und dem Buddhismus. Für die Geister sind die kleinen Tempelchen vor den Häusern und in den Wohnungen da, damit sie eine Wohnstatt haben und mit kleinen Opferngnädig gestimmt werden können und für das Jenseits sind die Äbte und Mönche zuständig, die in einem Kloster, dem so genannten Wat, leben.
15.06.2009 11:41 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
carabao



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dragon:

Alles nur Blödsinn? Manchmal zweifel ich schon daran!

Retepom  :
Eine, wie ich finde, sehr gute Frage, erinnert sie doch an die zweifel, die ich schon oft in meinem Leben gehört habe: "Gibt es Zufälle oder werden wir doch irgendwie gesteuert"?  Ja, lasst mal hören, was Ihr so darüber denkt.

____

In diesem Zusammenhang verweise ich gerne nochmals auf diesen Post hab den Bericht  ein paar Mal durchgelesen und bin noch mehr als sonst ins grübeln gekommen
http://asiapurtravel.phpbb6.de/asiapurtravel-beitrag884.html

@ Werner bedanke mich ganz herzlich dass Du uns nun hier teilhaben lässt an deinen erlebten Geschichten und Erfahrungen .
Ich neige schon dazu einigen Thailänder/innen besondere Fähigkeiten gutzuschreiben ,
auch denke ich , dass sie immer noch viel auf den ersten Gedanken hören –also nicht lange überlegen richtig oder falsch sondern handeln – Schön so meine Meinung täte einigen von uns gut hab mich schon viel dabei ertappt wie ich dachte hättest du den ersten gedanken nicht in frage gestellt wäre es genau so geschehen .
Unser Sohn und Schwiegertochter hat noch immer kein Geisterhäuschen wohl ein Gestell  im Schlafzimmer aber eben.--- Nun immer wenn die Kleinen Kinder kränkeln sagt NIT dass ist weil sie kein Häuschen haben .Ich sagte dann er soll anstatt sein verdientes in Lao Khao und Bier investieren zuerst kuken dass seine Familie nicht im Müll lebt und besser Früchte Fruchtsaft und richtige Ernährung anschaffen dann wären sie bestimmt auch nicht soviel krank .
Oh Nein es liegt nicht an all dem dass Geisterhäuschen fehlt .
Da ich meine Enkelkinder auch gern mag und will dass sie gesund sind machte ich den Vorschlag unserem Sohn  ein kleines zu sponsern – oh nein geht nicht sie müssen es selber kaufen .Gut dann leih ich ihnen eben bisschen Geld dann können sies selber bezahlen .Meine Schwiegertochter verwarf die Hände und NIT übersetzte mir--- an so was soll man gar nicht denken die Geister betrügen die merken dass
Aber als die Kinder geboren wurden gab  man ihnen zuerst falsche Namen nach einer gewissen Zeit wurden ihnen die Haare geschnitten um die Geister in die Irre zu führen.
Also die guten Geister merken einen betrug die bösen hingegen merken keinen falschen Namen .
Auch hier sollten wir versuchen die Denkart einfach zu akzeptieren und nicht im Farangstil zu hinterfragen
TOY kukt ja gerne so pseudo Thai Gruselfilme im Vorabendprogramm ist jeweils schon lustig wenn ich sage aber nicht dass Du wieder Angst hast nachher antwortet sie kek Papa iss doch nur Spielfilm .Wenn sie zur Toilette muss ruft sie aber zuerst den Hunden die dann vor der Türe warten müssen ----- vielleicht ist doch ein Pii da .
Oh ja es gibt viele Situationen wo ich den Kopf schüttle aber wie @ Werner sehr richtig schreibt wir Leben hier in  unserer neuen Heimat und sollten  versuchen uns in die gedanken und Kultur unserer Partner einzufühlen ,daher vielleicht kann ich wiedermal ne erlebte Geschichte einsetzten ,bin jedoch soweit dass ich mir solche Dinge gar nicht mehr merke
Weil solche Geschichten Normal sind und dazu gehören
Muss mir allerdings sehr grosse Mühe geben nicht irgendwelche Scherze darüber zumachen .
Ist eine Empfehlung an alle .

_________________
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