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Tam Bun - Etwas Gutes tun

 
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Tam Bun - Etwas Gutes tun
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Retepom
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Anmeldungsdatum: 12.10.2007
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Beitrag Tam Bun - Etwas Gutes tun Antworten mit Zitat
Morgendliche Essens-Spende an die Mönche

Wenn Sie einmal früh morgens über Land fahren, und durch kleinere Orte kommen können Sie sie sehen. Barhäuptig, barfuss, eingehüllt in gelb-braune Gewänder. Sie gehen im Gänsemarsch mit ihren Sammelbeuteln von Haus zu Haus und nehmen die Essensgaben an, die ihnen gereicht werden. Sie dürfen nur einmal am Tag essen, die buddhistischen Mönche,  und zwar nur morgens vor Sonnenaufgang.    

Das Bild in unserem Dorf gleicht sich jeden Morgen. Die Luft ist noch kühl und feucht, es duftet nach gekochtem Reis, nach Gewürzen, nach heißem Öl, nach Süßspeisen.

Die Frauen kochen kleine oder auch größere Mahlzeiten. Neben uns wohnt die Oma meiner Frau. Eine ganz liebe, energische alte Dame, die mit ihren 85 Lenzen noch voll das Kommando über die Familie  hat. Die Oma kocht nicht mit dem modernen Gas. Nein, sie kocht noch mit Holz und so steigt beim Anfeuern der Kochstelle ein äußerst wohlriechender Holzqualm unter ihrem Dach hervor, der sich mit den übrigen Düften mischt.

Viele der Frauen  sind schon seit 4 Uhr früh an der Arbeit. Sie kochen für die Mönche, sie kochen um sich und anderen etwas Gutes zu tun, sie kochen für "Tam Bun".

Nun hat man, vielmehr frau, gekocht und die Speisen, Reis, Fleisch mit Sauce, Nachtisch fein säuberlich in kleine, aus Thailand nicht wegzudenkenden Plastiktütchen verpackt. Das Ganze wird fein säuberlich auf einem großen Teller angeordnet. Meistens kommen drei Mönche vorbei. Der Abt ein Mönch und ein Novize. Also befindet sich auf dem Teller drei Plastiktütchen mit Reis, drei mit Fleisch und Sauce und drei für den Nachtisch.

Mit diesem Teller wartet man dann an der Strasse bis die Mönche kommen. Man versammelt  sich auch an Treffpunkten, meist kleine Läden, in denen man auch, für Tam Bun vorbereitete Speisen kaufen kann. Wer also nicht selbst kochen konnte oder wollte, kauft sich seine Opfergaben in den Läden. Man wartet , bis man seine Gaben verteilen kann. Das ist dann auch der morgendliche Umschlagplatz von Neuigkeiten, die es ja in letzter Nacht zuhauf gab. Ja, die Thais lieben ihre Sprache und machen auch redlich davon Gebrauch.

Nun kommen sie, die Mönche und machen Halt bei den Wartenden. Diese knien sich nieder, ebenso barfuss, und halten ihren Gabenteller hoch, berühren ihn mit der Stirn. Danach werden die Gaben verteilt. Jeder Mönch bekommt in sein Sammelgefäß einen Beutel Reis, einen Beutel Sauce und Fleisch (oder Gemüse) und einen Nachtisch. Danach kniet man sich wieder nieder und berührt dreimal mit der Stirn den Boden. Die Zeremonie ist damit beendet, die Mönche ziehen weiter und die Frauen gehen zur Tagesordnung über.  Einen Dank gibt es nicht. Man hat ja für sich selbst gespendet. Man hat durch eine gute Tat etwas Anerkennenswertes für sein Seelenheil getan. Man hat sein Karma verbessert um im nächsten Leben einen besseren Start zu haben und eventuell einmal ins alles erlösende Nirwana zu gelangen.

Manchmal sind die Sammelgefäße voll. Dann kommt ein älterer Mann, hier nennen wir ihn Lung (Onkel) und packt alles in eine große Plastiktüte um es mit dem Motorrad zum Wat (Tempel) zu fahren.. Die Mönche ziehen dann weiter mit leeren Gefäßen, die sich aber schnell wieder füllen.

Ich gehe oft, meiner Frau zuliebe, mit zur Morgenandacht, zum Tam Bun. Meine Frau glaubt fest daran, dass wir uns im nächsten Leben wieder begegnen, wenn wir in diesem Leben oft zusammen etwas Gutes tun. Wer kann bei solch' liebevollem Ansinnen im Bett bleiben? Vielleicht hilft's. Geh' ich also mit. Dabei knie ich mich nicht nieder, zeige jedoch meinen Respekt indem ich barfuss bin und so unsere Spenden mitverteile wie jeder andere, der an dieser Zeremonie teil nimmt.    

Wenn Lung mal verschlafen hat, muss ich die Plastiktüte füllen und die Gefäße leeren. Warum? Ganz einfach, ich bin ein Mann. Frauen ist es streng verboten, einen Mönch zu berühren. Ja und beim Umladen der Gaben kommt das schon mal vor. Also auch hier eine strenge Trennung zwischen Mann und Frau. Da ist sogar ein Farang geeigneter als eine Thai-Mamma.

Ich habe mir hier im Dorf durch meine Teilnahme am Geschehen einige Sympathien verschafft. Die Mönche dürfen beim Bittgang eigentlich nicht sprechen. Wenn ich zugegen bin, lässt es sich der Abt jedoch nicht nehmen, mich zu fragen: "How are You?" Er redet gerne mit mir englisch. Ich antworte ihm dann auf thailändisch: "sabei dii, lä khun la?" (mir geht's gut. Und Dir?) Das freut ihn dann. Es geht hier eben alles locker und unkonventionell zu.

Wer nicht zu dieser Zeremonie, zum Tam Bun,  gehen konnte, oder bei wem die Mönche nicht vorbei kamen, der geht zum Wat denn nach dem Bitt-Gang halten die Mönche eine Art Gottesdienst im Tempel ab. Auch hier geht es um Tam Bun, etwas Gutes tun, auch hier kommen die Leute bepackt mit Speisen und Getränken aller Art.

Das Gesammelte wurde zuvor ausgepackt und auf große Platten verteilt. Die Leute, die jetzt dazu kommen verteilen ihre Gaben ebenfalls auf großen Tellern, Schüsseln und Platten. Dies alles wird vor den erhöhten Sitzplätzen der Mönche aufgebaut. Das sieht dann aus wie ein riesiges, leckeres Buffet.

Dann, punkt 7 Uhr 30 erscheinen die Mönche und nehmen ihre Plätze auf der Erhöhung ein. Nach einigen Worten des Abtes und gemeinsamen Gebeten werden die Essen-Spenden auf kleinen, niedrigen Wagen an den Mönchen vorbeigefahren. Diese nehmen sich dann davon etwas in Ihre Gefäße. Hier ein bisschen Reis von dort etwas Fleisch und Sauce ein wenig Fisch ein paar Löffel Gemüse. Eine Flasche Wasser, eine Tüte Milch, verschiedenes Obst. Die nicht angenommenen Essen-Spenden werden dann wieder auf dem Boden zu einem Buffet zusammengestellt. Nach ein paar Rezitationen ist das Ganze beendet und die Mönche beginnen zu essen. Auch die Leute im Wat machen sich nun über die, von den Mönchen übrig gelassenen Köstlichkeiten her. Es findet ein gemeinsames Mal statt.

Wer dies nun zum ersten Male sieht, wird sich fragen, Wo denn der tiefere Sinn in diesem Essens-Tausch liegt. Nun, zum einen hat man ja etwas Gutes getan, indem man eine Essen-Spende gab und somit die Mönche verköstigt hat. Zum anderen können auch diejenigen essen, die nichts haben, die sich heute kein Essen leisten können und die oftmals auf diese Essen-Spenden an das Wat angewiesen sind. Ja, die gibt es hier noch. Alleinstehende Frauen mit ihren Kindern, Kranke, Erwerbslose. Sie können sich hier ihren Tagesbedarf abholen, sie können essen und auch für die Daheimgebliebenen etwas mitnehmen.

Immer, wenn ich von einer dieser Zeremonien zurückkomme, mache ich mir so meine Gedanken über die Frömmigkeit und die Gottesdienstbesuche in Deutschland.

Vielleicht wäre es ganz gut, wenn unsere großen Kirchen auch einmal  eine solche Zeremonie der Nächstenliebe einführen würden. Nicht nur schnöden Mammon sammeln und Spendenbescheinigungen ausstellen. Nein, eine direkte Hilfe an die Bedürftigen, und die gibt es auch in unserem Wohlstandsstaat, zu initiieren. Bei uns jedoch bleiben diese Bedürftigen mehr oder weniger anonym im Verborgenen. Bei uns füllt man lediglich den Klingelbeutel. Was dann damit geschieht interessiert doch eigentlich niemanden.

Hier jedoch wird die Hilfe an den Nächsten offenbar, hier erfolgt die Hilfe direkt und unmittelbar. Hier ziehen beide Parteien ihren Vorteil. Die Bedürftigen, die hier verköstigt werden und die Spender, indem sie ihr Karma  verbessert haben und etwas Gutes getan haben.

Und so kommt der nächste Morgen und es riecht wieder nach gekochtem Reis, nach Fisch, nach Gewürzen und nach Holzkohle. Die Frauen stehen wieder an den Straßenrändern, auf das Erscheinen der Mönche wartend und mit dem Willen, auch heute etwas Gutes zu tun.
Tam Bun.

_________________
Grüße aus Jomtien
Retepom
31.03.2013 23:54 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen Skype-Name
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Thaipan



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Wohnort: Stuttgart-Reutlingen

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Hallo Peter, das sind ja die Mönche in Thailand. Wenn sie in Deutschland sind sie ganz anders !!! Da macht ein Asien-Laden so ein treffen mit den Mönchen, da gibts auch essen spenden. Jede Person kauft einen 10 liter Eimer mit Essen im Asien-Laden, gibt ihn den MÖnchen, ein kurzes Gebet. Dann geben die Mönche den eimer dem Laden wieder zurück und nehmen das  "Geld " mit, in 15 minuten ist alles vor bei !!! Sie müssen ja noch zu vielen Asien-Läden gehen !!! Mfg:Willi.  smile
25.06.2013 06:47 Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
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